Quelle von Missverständnissen: Vermutungen und Interpretationen

Auszug aus meinem Buch “Gewaltfrei, aber nicht machtlos. Erziehung mit Herz, Verstand und Führungskompetenz”, Ennsthaler Verlag, Steyr, 2013. Kapitel 3.3. Seiten 68 – 69

3.3. Quelle von Missverständnissen:
Vermutungen und Interpretationen

Immer, wenn wir eine Botschaft empfangen, fragen wir uns intuitiv: Wie ist das gemeint? Dabei stellen wir Vermutungen an.

Es ist nichts Negatives daran, solche Vermutungen oder Interpretationen anzustellen. Anders könnten Menschen gar nicht effizient miteinander kommunizieren. Treffende Zuordnungen zu machen ist ein Zeichen sozialer Kompetenz. Aber es muss uns klar sein, dass Vermutungen eben nur Vermutungen sind, dass sie zutreffen können oder auch nicht. Daher ist es ratsam, vorschnelle Schlüsse zu meiden, denn sie könnten falsch sein und zu Vorurteilen verleiten. Wir könnten uns irren und so Konflikte auslösen.

Klärung durch Nachfragen

Daher sollten wir unsere Vermutungen klugerweise und fairerweise auf ihre Richtigkeit hin prüfen, will man nicht aneinander vorbeireden und Störungen aufgrund von Missverständnissen erzeugen. Es ist in der Verantwortung des Empfängers, nachzufragen.

Ich habe die Wahl: Auf welcher Ebene will ich reagieren?

Machen wir uns auch bewusst, dass wir immer die Wahl haben: Auf welcher Ebene will ich reagieren? Ich kann es mir aussuchen und dadurch das Gespräch positiv oder negativ beeinflussen. Für einen bewusst kommunizierenden Menschen gibt es keine Ausrede: „Weil er/sie … getan/gesagt hat, musste ich … tun/antworten!“ Nein! Ich hätte immer auch anders reagieren können!

Gehen wir zurück zu unserem harmlosen Beispiel „Es zieht!“ Wie kann der Empfänger oder die Empfängerin darauf reagieren? Er könnte auf die Sachebene schauen und die Information einfach nur zur Kenntnis nehmen, z.B.: „Ja, finde ich auch!“ Er könnte auf die Selbstoffenbarungsebene eingehen und nachfragen: „Ist dir kalt?“ oder auf der Beziehungsebene reagieren, wenn er sich beispielsweise kritisiert fühlt: „Musst du schon wieder meckern?“ oder etwas salonfähiger „Ich fühle mich kritisiert“ bekunden. Weiters könnte der Empfänger nach dem Appell fragen: „Soll ich das Fenster zumachen?“ Die Antwort könnte auch non-verbal sein, indem er einfach aufsteht und das Fenster schließt.

Maria Neuberger-Schmidt

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