Excerpt aus meinem Buch “Gewaltfrei, aber nicht machtlos!
Seite 42-44
„Wer liebt, herrscht ohne Gewalt und dient, ohne Sklave zu sein“
Zenta Maurin
2.3. Die natürliche hierarchische Ordnung
Moderne Eltern wollen Kinder nach demokratischen Prinzipien erziehen und sie gehen vom Ideal der Gleichberechtigung aus. Im Konfliktfall wird Eltern von den meisten Experten geraten: Verständnis, Geduld, diskutieren, verhandeln, verhandeln, verhandeln – bis eine für beide Seiten akzeptable, eine so genannte WIN-WIN- Lösung gefunden wird.
Aber kennen Sie solche Situation? Sie haben Ihrem Kind ausreichend erklärt, warum es Zähne putzen soll, warum es einen bestimmten Film nicht sehen darf, etc. Da fängt man an, sich sozusagen den „Mund fusselig“ zu reden, aber kein Argument kann motivieren und überzeugen. Hier geht es also um das Durchsetzen notwendiger Maßnahmen, nicht um Win-Win-Lösungen, weil dem Kind offenbar noch nicht die nötige Reife und Einsicht fehlt.
Wenn ein 5-jähriger oder 12-jähriger bei der Debatte über das Fernsehprogramm zu seinen Eltern sagt: „Aber du schaust dir doch auch an, was du willst!“ fehlt diesen oft das passende Argumente. Aus Sicht der Gleichberechtigung ist dieser Einwand stichhaltig. Wie kommen Sie dazu, Ihrem Kind Vorschriften zu machen? Das tun Sie doch bei Ihrem Partner oder Ihrer Freundin auch nicht! Spüren Sie, dass das mit der Gleichberechtigung so nicht stimmen kann?
Kinder sind gleichwertig, aber nicht gleichberechtigt
Sie haben von Geburt an dieselbe Würde wie Erwachsene und verdienen dieselbe Wertschätzung – aber sie haben nicht dieselben Pflichten wie ihre Eltern und daher auch nicht dieselben Rechte – eine pädagogische Binsenweisheit, die aber durch die blauäugige Gleichberechtigungsbrille betrachtet häufig verzerrt wird.
„Ich will den Willen meines Kindes nicht brechen.“
sagen verantwortungsbewusste und bemühte Eltern, fühlen sich aber zunehmend hilflos wenn ihre Anweisungen ignoriert werden oder das Kind auf legitime Auforderungen mit „Hab keine Lust!“, „Mir doch egal!“ reagiert oder wenn es sich weigert, seine Sachen in Ordnung zu halten, Hausaufgaben zu erledigen, sich gesund zu kleiden oder zu ernähren, etc.
„Kinder lernen aus den Folgen“
ist ein Slogan, der eine gewisse Berechtigung hat. Aber was ist, wenn mein Kind die Folgen auch dann nicht ernst nimmt, wenn es die zehnte. Bronchitis oder Blasenentzündung hat, die Zähne bleibenden Schaden haben oder die Tochter mit 20 ohne Schulabschluss und Berufsausbildung dasteht? „Du hättest das besser wissen müssen!“ lautet dann der berechtigte Vorwurf der jungen Leute an ihre Eltern.
Ob wir es wollen oder nicht: die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist nicht von Gleichberechtigung, sondern von einer natürlichen hierarchischen Ordnung geprägt. Die Rolle der Eltern ist die von Führungskräften. Sie tragen die Verantwortung dafür, das Unternehmensziel zu erreichen, die Existenz ihrer Mitarbeiter abzusichern und ein Klima zu schaffen, bei dem jeder seine Rechte und Pflichten kennt und ein offenes und verständnisvolles Miteinander möglich wird. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, dürfen sie ihre Führungskompetenz nicht abgeben – um dann womöglich die Kinder für das Chaos verantwortlich zu machen.
Wenn man das nicht so handhabt, wie Sie es da darstellen, kommt es leicht zu solchen Problemen, wie beim Bitte und Danke-Sagen, wie es in dem Artikel “5 Tipps für gute Manieren bei Kindern” dargestellt wird. Tenor: nur kein Druck sondern Ermunterung und mit gutem Beispiel vorausgehen. Das ist an sich ja nicht schlecht, aber was tun, wenn das gute Beispiel nicht fruchtet?
https://ichbinmutter.com/erziehung/erziehung-von-kleinkindern-und-kindern/verantwortung-und-werte/5-tipps-fuer-gute-manieren-bei-kindern/
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Klünger