„Reg’ dich doch nicht auf!“

Wie kommt es, dass dieser Satz, meist als Trost oder guter Rat gemeint, Ihren Frust nur noch verstärkt?

Angenommen, Sie haben sich über Ihren Chef, die Kinder oder sonst jemanden geärgert und fühlen sich verletzt oder nicht ernst genommen. Wenn Sie Ihrer Partnerin Ihrem Partner oder Ihrem besten Freund davon erzählen, möchten Sie sich zunächst einmal verstanden und angenommen fühlen. Sie brauchen jemanden, bei dem Sie „Dampf ablassen“ können. Am allerwenigsten wollen Sie zunächst einen guten Rat, eine Belehrung oder einen billigen Trost hören. Am ärgerlichsten ist es, wenn Sie erfahren, dass es keinen Grund gibt, zu fühlen, was Sie gerade fühlen und dass es lächerlich ist, sich aufzuregen. Dann ärgern Sie sich nämlich gleich doppelt: über den erwähnten Frust und über die Person, die es gut mit Ihnen meint, anscheinend aber eines nicht kann: nämlich Sie verstehen.

Gewiss ist es eine Tugend, wenn wir lernen, unsere Emotionen zu kontrollieren und Verständnis für andere zu entwickeln. Das gelingt aber umso leichter, wenn unser Zuhörer zunächst einmal Verständnis für unsere Gefühle zeigt und dies durch aktives Zuhören vermitteln kann, in etwa so: „Du hast dich wohl ganz schön geärgert…“ oder  „Das muss ziemlich kränkend für dich sein…“ Damit wird weiter nichts signalisiert, als dass man den anderen in seinem momentanten Befinden wahrnimmt und akzeptiert und dass man ihm zutraut, selbst damit klar zu kommen. Das reicht zunächst einmal und tut unglaublich gut.

Auch wenn andere es nicht gelernt haben: Versuchen Sie doch selber, ein einfühlsamer Zuhörer und somit eine Bereicherung für Ihre Beziehungen zu werden!

Maria Neuberger-Schmidt

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