„Aber sag’s nicht dem Papa!“

Kommen Ihre Kinder auch dann zu Ihnen, wenn ihnen ein Missgeschick passiert oder wenn sie versagt haben? Dann kann ich Ihnen herzlich gratulieren!  Anders verhält es sich bei den zwei nachfolgenden Fallbeispielen:

Schönwetterfamilie

Eine harmonische Familie. Die Kinder sind wohl erzogen, lernen gut in der Schule, der Umgangston miteinander ist höflich und gepflegt. Die Eltern sind stolz auf ihren Nachwuchs. Familienglück, wie sich’s jeder erträumt. Doch als der 14-jährige Sohn im Haus seines Freundes eine kostbare Blumenvase mit dem Fußball zertrümmert, ist er verzweifelt. Er überlegt krampfhaft, wie er den Schaden wieder gut machen kann und fleht die Hausfrau vor allem um eines an: „Sag’s nicht dem Papa!“

Es ist schön, wenn Kinder anfangen, Verantwortungsbewusstsein für ihre Taten zu übernehmen. Wenn Sie jedoch merken, dass Ihr Kind Ihnen seine Missgeschicke nicht zu gestehen wagt, dann überlegen Sie bitte, ob Ihre Erziehung nicht doch etwas „zu gut“ ist. Werden Anforderungen an Leistung und Prestige zu sehr betont? Wie gehen Sie mit Versagen und Misserfolg um? Hat das Kind Angst vor Strafe? Vielleicht sind die Ängste Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter unbegründet. Auf alle Fälle wäre jetzt Klärung erforderlich. Wichtig ist, dass Ihr Kind mit allem zu Ihnen kommen kann!

Ob Ihr Kind Vertrauen hat, zeigt sich in der Krise

Ermutigen Sie es: „Gerade wenn etwas schief läuft, möchte ich, dass du mit mir darüber sprichst. Daran erkenne ich, ob du Vertrauen zu mir hast. Ich freue mich, dass meistens alles so gut klappt. Das heißt aber nicht, dass bei mir nur „Schönwetterkinder“ willkommen sind. Schließlich sind wir Eltern auch für Pannen zuständig.“ Danach können Sie in aller Ruhe über die Sachlage diskutieren.

Ansonsten mag es Ihnen ergehen wie dem Vater jenes jungen Mannes, der, selbst bereits erfolgreicher Geschäftsmann, seiner Sekretärin folgende telefonische Anweisung gab: „Ich habe meinen Aktenkoffer vergessen. Schicken Sie mir bitte einen Boten. Aber sorgen Sie dafür, dass mein Vater nichts davon bemerkt!“  Ist es jene Art von Respekt, den Sie sich wünschen? Distanzierte Höflichkeit statt Vertrauen? Dann könnte es vorkommen, dass Ihr Kind in entscheidenden Situationen allein dasteht und Sie überraschend mit Tatsachen konfrontiert werden, wenn es vielleicht schon zu spät ist.

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