Neidhammel: Wie Kinder teilen lernen

Ein wichtiges Anliegen auf dem Weg zur sozialen Kompetenz. Wie kann man dies Kindern am besten vermitteln?

Die kleine Tamara (5) mag nicht gerne teilen. Sie will alles für sich behalten. Die Mutter will nicht, dass Tamara egoistisch wird und ärgert sich, dass sie wieder einmal nichts von ihrer Orange hergeben möchte. Manchmal entrutscht es ihr: „Du bist aber ein Neidhammel!“ oder ein belehrendes: „Brave Kinder teilen gerne!“ Ein anderes Mal versucht sie es mit Betteln: „Bitte, bitte, nur ein kleines Stückchen!“

Auf Druck und Manipulation verzichten

Wenn wir Kinder motivieren möchten, positives Sozialverhalten zu entwickeln, müssen wir auf Druck und Manipulationen verzichten. Vielmehr ist es wichtig, Verständnis für die Schwierigkeit zu zeigen, etwas herzugeben und das kindliche Recht, sich abzugrenzen. Ehrlich: Es fällt auch uns Erwachsenen nicht leicht, zu teilen. Noch weniger lassen wir uns gerne zwingen, etwas herzugeben. Nur wenn wir uns frei, verstanden und respektiert fühlen, können wir über uns selbst hinauswachsen.

Verständnis für die Schwierigkeit zeigen

Lösungsansatz: Die Mutter kann einfühlsam und wertfrei Gefühle „spiegeln“: „Du liebst Orangen. Deshalb fällt es dir nicht leicht, davon etwas herzugeben…“ (Stimme oben lassen, als Einladung zum Bestätigen oder Dementieren) Tamara wird sich verstanden fühlen: „Ja. Sie gehört mir!“ Die Mutter nimmt zur Kenntnis: „Darum willst du sie ganz alleine essen.“ Sie kehrt zu ihrem Anliegen zurück und sagt offen und direkt: „Ich würde ich mich aber sehr freuen, wenn du mir ein Stück davon gibst!“

Auch Kinder haben ein Recht, sich abzugrenzen

Durch das spürbare Verständnis der Mutter und ihre offene Bitte ist Tamara wahrscheinlich schon so weit, freiwillig über „ihren eigenen Schatten“ zu springen und zu sagen: „Hier Mama, das ist für dich!“ worauf die Mutter nur noch zu würdigen braucht: „Danke! Ich freu mich, dass du mit mir teilst.“  Sollte der Widerstand weiter bestehen, ist es gut, das Nein zu akzeptieren: „Schade, dann eben nicht!“ Sie könnte hinzufügen: „Aber ein anderes Mal wirst du mit mir teilen?“ Auf diese höfliche Frage kommt bestimmt eine Zustimmung. Wenn nicht, könnte die Mutter hinzufügen: „Ich werde dich einfach wieder fragen. Dann kannst du dich immer noch entscheiden.“  Tamara wird ihre Grenze respektiert fühlen und ist dadurch viel eher motiviert ist, bei nächster Gelegenheit zu teilen.

Teilen üben

Bringen Sie Ihr Kind hin und wieder in Situationen, in welchen es die neue Tugend einüben kann: „Diese Packung ist für dich und deine Freunde. Teil sie jetzt aus!“ So kann es erfahren: „Geteilte Freude ist doppelte Freude“. Manche Kinder sind derartig freigiebig, dass man manchmal einbremsen muss, damit sie ihre Großzügigkeit nicht später bereuen: „Bist du sicher, dass du deinen Teddy hergeben möchtest? Überleg es dir bis morgen. Ich möchte nicht, dass es dir später leid tut!“

Mag. Maria Neuberger-Schmidt

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