Die blauen Haare – Teil 1

Die blauen Haare – Teil 1

Die Mutter tritt ins Zimmer, um ihrem 14-jährigen Sohn Patrick gute Nacht zu wünschen. „Mama, darf ich mir die Haare blau färben?“ Die Mutter ist überrascht und fühlt sich überrumpelt: „Bist du wahnsinnig? Kommt überhaupt nicht in Frage!“ Eine andere lässt sich vielleicht von den Überredungskünsten ihres Sohnes zu einer vorschnellen Zustimmung verleiten, die sie später bereut.

Kinder in der Pubertät sind hervorragende Taktierer und wissen sehr genau Bescheid über die Schwachpunkte ihrer Eltern und wie sie ihnen Zusagen „abknöpfen“ können. Es ist auch nicht immer leicht, ebenso schlagfertig zu sein wie sie. Hüten Sie sich vor vorschnellen Antworten, wenn Sie schockiert, überrascht oder einfach unsicher sind.

Es ist OK, wenn Sie Ihre Betroffenheit zeigen

„Wie bitte?!“, „Oh!“ oder warum nicht auch die oben gebrauchte Schockformel – einfach um sich zunächst einmal Luft zu verschaffen. Wenn Sie der Meinung sind, dass für ein ausführliches Gespräch jetzt keine Zeit mehr ist, und Sie die Überrumpelungstaktik nicht akzeptieren, dann sagen Sie das auch: „Ich fühle mich jetzt überrumpelt.“ Die „Ball-zurück“ Methode kann Ihnen jetzt helfen: „Wieso hast du dieses Thema nicht vorhin schon angesprochen, als wir gemütlich im Wohnzimmer saßen? Ich möchte keine voreilige Entscheidung treffen. Erkläre mir bitte morgen Nachmittag, was dir daran so gefällt.“

Verschaffen Sie sich Nachdenkzeit

Überlegen Sie sich in der Zwischenzeit, wie Sie persönlich zu blauen Haaren oder ähnlichem stehen und wie viel Entscheidungsfreiheit Sie Ihrem Sohn schon zugestehen. Sie haben Gelegenheit, Ihre Einstellung zu dieser Frage zu überdenken und welchen Verhandlungsspielraum Sie geben können. Überlegen Sie auch, mit welchen Argumenten Ihr Sohn kommen könnte und wie Sie darauf eingehen werden. Folgende Fragen sollten Sie sich stellen: Wie sieht Ihre Erziehungssituation insgesamt aus? Ist Ihr Sohn zuverlässig und paktfähig? Ist es ein Teil seiner Strategie „vom kleinen Finger zur ganzen Hand“? Gibt es noch wesentlich gravierendere Fragen als seine Haarfarbe? Wenn es in einen Machtkampf hineinführt: Wie wichtig ist es, ihn zu gewinnen? Haben Sie die Nerven dazu? Wie viel Einfluss können Sie noch ausüben? Wer unterstützt Sie dabei?

Mag. Maria Neuberger-Schmidt

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