Oliver Tanzer über Karl Marx, Teil 2: Marx und Lehrer G.W.F.Hegel

Gedanken für den Tag, Radio Ö1 – Mittwoch, 2.5.2018, 7:55

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Oliver Tanzer zum 200. Geburtstag von Karl Marx

Gedanken für den Tag

„Opium des Volkes“ – Zum 200. Geburtstag von Karl Marx spricht Oliver Tanzer, Autor und Leiter des Wirtschaftsressorts der Wochenzeitung „Die Furche“. – Gestaltung: Alexandra Mantler

Karl Marx hatte einen großen Lehrer: Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Der wurde unter anderem damit berühmt, dass er einen Weltgeist die Geschichte der Menschheit bestimmen lässt. Aber dieser Hegel war auch ein Experte in Sachen Liebe und Religion. Er sagte, dass – Zitat: „eine wahre Vereinigung nur unter Lebendigen stattfindet, die an Macht sich gleich und von keiner Seite gegeneinander Tote sind“. Macht und Hierarchie töten Liebe, weil sie die Möglichkeit töten, sich gegenseitig aneinander zu entwickeln, findet Hegel.

Karl Marx hatte diesen Gedanken vielleicht im Hinterkopf, als er über Arbeit und Kapital nachdachte. Für ihn ist die Arbeit in der Gesellschaft jenes Feld, in dem der Mensch sich entwickeln und entfalten kann. Das Kapital ist also das Ergebnis der Arbeit. Je weniger Menschen dieses Kapital, den Gewinn, einstreichen, desto unfruchtbarer wird es. Tot mit einem Wort. Marx beschreibt das so: „Das Kapital ist verstorbene Arbeit, die sich nur vampirmäßig belebt durch die Einsaugung lebendiger Arbeit und umso mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt.“

Wenn man von dieser Idee einmal den Klassenkampf abzieht und ein wenig mehr von Hegels Beziehungsidee hineinmengt, landet man beim großen Drama unserer Arbeitswelt. Der Beziehungslosigkeit zum eigenen Arbeits-Produkt, das in tausende arbeitsteilige Bereiche filetiert, für den einzelnen zu toter Masse wird – produziert in wachsendem Stumpfsinn für ein System, das man nicht mehr überblickt, das aber das Schicksal unbarmherzig bestimmt. Und ist nicht dieser Zustand der Ohnmacht und der Sinnleere für die Erschöpfung von so vielen Menschen verantwortlich?

Der Weg aus einer solchen Vampirwelt, die Energie und Zufriedenheit vernichtet, ließe sich für uns alle relativ einfach beginnen. Indem wir etwa in der Früh auf eine Karte schreiben, warum wir eigentlich zur Arbeit gehen. Von der Vampirwelt des Karl Marx wären wir dann befreit, wenn auf dieser Karte nicht mehr steht: „des Geldes wegen“.

 

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