2 Kommentare

  1. Zunächst würde ich mich der Einschätzung vollinhaltlich anschließen. Allerdings gibt es halt tatsächlich Kinder (und auch Erwachsene), die ständig über irgend etwas zu meckern haben – oder, um es anders zu sagen, eine geringe Frustrationstoleranz haben. Jede Äußerung der Befindlichkeit ernst zu nehmen ist dann nicht nur für Eltern herausfordernd, sondern führt in das Dilemma, dass diese Zuwendung ihrerseits das Verhalten verstärkt: das Kind lernt, dass sich die Eltern – liebevoll – umso mehr um es kümmern, je mehr es jammert. Die geäußerten Gefühle des Kindes zu ignorieren, ist vermutlich keine gute Idee, zum Sklaven der Befindlichkeiten des Kindes zu werden aber auch nicht. Der Hinweis, dass anderen Kindern in beispielsweise in derselben Situation auch nicht kalt ist, oder vielleicht doch kalt ist, die aber daraus keine große Sache machen („ein Indianer kennt keinen Schmerz“, „ein Bisserl was kann man schon aushalten“), ist halt auch kein überzeugendes Argument, da man nicht in der Haut des anderen steckt und daher auch nicht beurteilen kann, wie sehr dieser subjektiv unter der Situation leidet. Man müsste daher zuerst erkunden, ob das Kind meint, dass das geäußerte Gefühl eine Handlung von Seiten der Mutter nach sich ziehen soll (Handschuhe, Schal, in den Arm genommen, die Jacke der Mutter umgehängt bekommen, schnell die nächste Konditorei aufgesucht werden soll), oder ob es – wie anscheinend im geschilderten Fall – möglicherweise lediglich eine Information an die Mutter darstellt – damit sie weiß, wie es dem Kind gerade geht, aber dem Kind ohnehin klar ist, dass man in wenigen Schritten zu Hause sein wird und daher keinerlei besondere Maßnahmen erforderlich sind.
    Sollte nun das Kind konkrete Handlungen erwarten, die seine Befindlichkeit verbessern sollen, stehen die Eltern gelegentlich vor der Frage, ob sie im konkreten Fall den Ansprüchen des Kindes nachkommen sollten. Es könnte ja sein, dass der Leidensdruck des Kindes subjektiv tatsächlich so groß ist, dass es rücksichts- und herzlos wäre, da nicht zu helfen. Bei einem fünfjährigen Kind im konkreten Fall könnte man fragen: „Ach, du arme, mir ist auch nicht sehr warm“ (drückt Anteilname und Verständnis aus und zeigt, dass das Kind mit seinen Empfindungen nicht allein ist). „Glaubst du, du schaffst es noch bis nach Hause?“ (etwas „schaffen“ ist positiv besetzt, das versteckte Angebot lautet: wenn du das schaffst, dann hast du etwas Besonderes geleistet). „Wir könnten laufen, da wird uns wärmer“ (hängt vom Kind ab, wie es mit diesem Angebot umgeht; Anstrengungsvermeider frieren vermutlich lieber) „Das nächste Mal ziehen wir uns wärmer an“ (wir haben etwas gelernt für die Zukunft, wo wir es besser machen werden. Diese Verheißung hilft vielleicht mit, sich über die momentane missliche Situation hinwegzutrösten).

    1. Lieber Gerhard,

      spät aber doch (aufgrund technischer Schwierigkeiten), hier eine kurze Rückmeldung:
      ja, ich kann Ihnen nur zustimmen: Ihr Beitrag liest sich wie eine Fortsetzung meiner Kolumne.

      Das Kind bei seinen Gefühlen ernst nehmen ist das eine. Es dabei zu stärken, Frustrationstoleranz zu erwerben, das andere wichtige Erziehungsziel. Beides gehört zusammen und in die richtige Balance.
      Mit herzlichen Grüßen,
      Maria Neuberger-Schmidt

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