Familie und Partnerschaft heute

Nichts ist in der Entwicklung der Menschheit natürlicher als Heiraten und Kinderkriegen. So galt es über viele hunderttausende von Jahren. Wenn der Sexualtrieb sich regte und ausgelebt wurde, so war das Kinderkriegen eine natürliche Konsequenz. Da hat man nicht lange darüber nachgedacht, ob und wie viele Kinder man in die Welt setzen wollte – sie kamen einfach! In den meisten Gesellschaften sah man Kinder als Reichtum und als Geschenk Gottes, Kinderlosigkeit wurde als Unglück betrachtet.

Auch wenn die Gründung einer Familie bestimmt nicht die einzige Möglichkeit ist, ein erfülltes Leben zu leben, so hat sie doch auch für den modernen Menschen einen hohen Stellenwert. Trotzdem erfüllen sich immer weniger den Wunsch nach Familie.

Trennung von Sexualität und Zeugung

Erst durch die moderne Empfängnisregelung beziehungsweise Verhütung kam die Menschheit in die Lage, sexuelles Vergnügen und die Zeugung der Nachkommenschaft voneinander zu trennen. Die in der Vergangenheit von konservativen Kreisen der katholischen Kirche vertretene Meinung, dass sexuelle Vereinigung nur zwecks Zeugung von Kindern erlaubt sei, finde ich genauso bedenklich wie das Bestreben, dies um jeden Preis zu verhindern.

Die Moderne will alles selbst bestimmen und kontrollieren

Der moderne Mensch setzt nicht mehr auf Gottvertrauen, sondern will am liebsten alles im Leben selbst kontrollieren. Das hat meiner Meinung nach oft mit Daseinsängsten, die aus einem Mangel an Urvertrauen kommen, zum anderen mit einer gewissen Überheblichkeit zu tun. Der moderne Mensch will sich nicht mehr als Geschöpf, sondern als Macher seines eigenen Schicksals betrachten. Als Zeichen seiner Autonomie möchte er sich am liebsten selbst erfinden, um seine Existenz nicht jemand anderem zu schulden.

Verhütung und Abtreibung

Nicht nur mittels Verhütung, sondern massiv auch mittels Abtreibung, also der Tötung von Ungeborenen, will man unerwünschte Schwangerschaften verhindern. Nur erwünschte und geplante Kinder sollen das Licht der Welt erblicken, das sei die Voraussetzung zum Familienglück und zur Selbstbestimmung der Frau. Die Familienplanung des modernen Menschen ist dabei sehr restriktiv, sehr viele Auflagen müssen erfüllt sein: Studium, Karriere, materielle Anschaffungen, Urlaubsreisen, etc., etc. Der Kinderwunsch wird hinausgezögert oder zugunsten anderer Projekte begraben.

Kinderwunsch um jeden Preis

Und siehe da: Wenn man irgendwann doch an Familienplanung denkt, hat man vielleicht derartig erfolgreich verzögert und verhütet, bis das ersehnte Kind einfach nicht mehr kommen will. Dann kann das Kind zu einem verkrampften Projekt um jeden Preis werden und manche Paare, auch gleichgeschlechtliche, scheuen weder Kosten noch Mühe, um ihr Wunschkind zu bekommen – das dann womöglich gesundheitliche Beeinträchtigungen hat, weil in der Retorte gezeugt oder der weibliche Organismus nicht mehr optimal arbeiten konnte. Rund um die Reproduktionsmedizin hat sich ein enormer Wirtschaftszweig entwickelt, der neue Abhängigkeiten und Ausbeutungsmechanismen insbesondere für Frauen schafft.

Familien unter ökonomischem Druck

Es sei hinzugefügt, dass unsere Gesellschaft Familien mit Kindern zwar braucht, unser Wirtschaftssystem es Eltern und insbesondere Müttern aber sehr schwer macht, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Nicht die Arbeit wird den Erfordernissen der Menschen angepasst, sondern diese müssen zunehmend erschwerende Bedingungen unter steigendem Konkurrenzdruck in Kauf nehmen.

All diese Fakten und Einstellungen führen nun dazu, dass unsere wohlhabende, westliche Gesellschaft im Aussterben begriffen ist. Ist es nicht bedenklich, dass die Geburtenrate bei Frauen im besten gebärfähigen Alter, also zwischen zwanzig und fünfunddreißig, ständig abnimmt, während Teenagerschwangerschaften zunehmen, ebenso wie immer mehr Frauen nach 35 Erstgebärende werden.

Ja sagen zum Abenteuer Leben

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen verantwortungsbewusste Familienplanung. Aber wie sagt schon der Volksmund: „Der Mensch denkt, Gott lenkt“ oder wie sagte es John Lennon: „Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ Oft kommt es im Leben anders als man denkt und wir reagieren mit Abwehr. Wenn wir uns jedoch auf das „Abenteuer Leben“ einlassen, es einfach annehmen, zum Beispiel in Form einer ungeplanten Schwangerschaft, dann stauen wir oft hinterher, wie viel Glück uns gerade dieses Kind gebracht hat und wie sehr wir an der damit verbundenen Herausforderung wachsen konnten. Ein Kind mag ungeplant kommen, immer aber sollte es willkommen sein.

Wenn zwei Menschen sich wirklich lieben, dann ist das die beste Voraussetzung, um Kinder in die Welt zu setzen. Dann sollten Sie einfach dem Leben Priorität geben. Alles andere wird sich fügen. Und warum sollte man sexuelle Intimität mit jemandem haben, den man nicht wirklich mag?

Entfernung von der Quelle des Lebens

Der moderne Mensch will nicht nur selbst seines Glückes Schmied sein, sondern er will auch die Regeln neu erfinden. Das bedeutet oft einen Eingriff in die natürliche Ordnung, von der wir uns immer mehr distanzieren. Wenn wir uns von der Quelle des Lebens entfernen , werden wir jedoch über kurz oder lang immer Schiffbruch erleiden. Um sich ihr zu nähern brauchen wir ein transzendentales Bewusstsein, welches für die meisten Menschen mit Gott zu tun hat. Eine Zeitlang können wir uns mit Ersatzbefriedigungen vergnügen, wie das moderne Leben so viele davon anzubieten hat. Mit der Entfernung von der Quelle verlieren wir jedoch auch unsere Fähigkeit zur selbstlosen Liebe und können dann immer weniger davon weitergeben.

An politisch Verantwortliche möchte ich appellieren, jene Familienformen und Maßnahmen zu fördern, welche sowohl die psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Menschen fördern, als auch den Generationenvertrag aufrecht erhalten können.

Maria Neuberger-Schmidt

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert