Der Kampf der Generationen

Auszug aus meinem Buch “Gewaltfrei, aber nicht machtlos. Erziehung mit Herz, Verstand und Führungskompetenz”, Ennsthaler Verlag Steyr, 2013, Kapitel 2.5, Seiten 45-47

„Ich will aber nicht!“  Schon in der Trotzphase wird klar, dass sich Kinder gegen den elterlichen Willen auflehnen und ihren eigenen durchsetzen möchten. Es geht also um die Frage der Macht.

Kindlicher Widerstand ist eine entwicklungspsychologische Notwendigkeit

Warum fordern Kinder Erwachsene so häufig zum Machtkampf heraus? Weil der Kampf der Generationen zum natürlichen Entwicklungsprozess dazu gehört!

Indem sie Erwachsenen Widerstand entgegenbringen, lernen Kinder

  • ihren eigenen Willen und ihre Interessen zu spüren und durchzusetzen
  • auszuloten, wie viel Macht sie besitzen
  • sich gegen Übergriffe anderer zu wehren

Wir dürfen es als Zeichen ihres Vertrauens werten, dass wir Eltern für sie die Ansprech- und Konfliktpartner Nummer Eins sind – weil sie eben zu uns eine ganz besonders enge und einmalige Beziehung haben und dürfen ihr Trotzen und Revoltieren nicht persönlich nehmen.

Eltern und PädagogInnen sind aufgefordert, sich dieser Herausforderung zu stellen, wenn sie Kinder ins Leben begleiten.

Dieser natürliche Machtkampf zwischen Eltern und Kindern löst bei Erwachsenen oft Angst aus und wurde in der Vergangenheit oft mit Unterdrückung und Gewalt beantwortet. Das wollen moderne, bemühte Eltern unbedingt vermeiden und tappen dabei häufig in die Falle des Nachgebens und Gewähren Lassens. Das natürliche Kräftemessen kann aber auch von Wertschätzung, Liebe und Fairness geprägt sein und kann solchermaßen einen absolut positiven Beitrag in der kindlichen Entwicklung und in unserer Beziehung zum Kind leisten.

Kinder wollen starke Eltern

bei denen sie sich geschützt und geborgen fühlen und zu denen sie aufschauen können. Wie sollen Kinder Respekt haben, wenn Eltern schwach und nachgiebig sind und sich zu viel gefallen lassen? Es ist natürlich, dass Kinder testen, um zu wissen, woran sie sind und wie weit sie gehen können.

Kinder wollen eine klare Antwort auf ihre Frage der Macht

Wer hat das Sagen? Eltern, die sich zu ihrer Führungsrolle bekennen, können diese so ausüben, dass sie sich nicht zu Machtmissbrauch – meist aus Überforderung – hinreißen lassen, sondern dass sie

eine Kultur des Widerspruchs

möglich machen, damit Kinder lernen, ihre Wünsche und Bedürfnisse, aber auch ihre Einwände so zu artikulieren, dass sie zu ernst zu nehmenden Verhandlungspartnern werden. Auch ist es in der Kompetenz der Führungskraft, konstruktive Streitkultur zu vermitteln, bei der alle Beteiligten sich respektiert und ernst genommen fühlen.

Kinder brauchen authentische und starke Persönlichkeiten und Vorbilder – echte, wohlwollende Autoritäten.

Überforderung durch Schwäche

Wenn Eltern ihre Führungsrolle und ihre Macht abgeben, wird oft jeder kleine und notwendige Ablauf im Familienalltag zur Nervenprobe. Damit überfordern sie nicht nur sich selbst, sondern vor allem auch ihre Kinder, weil es ihnen an Halt und Orientierung fehlt.

Solche Kinder werden führungslos, frech oder altklug und wir bringen sie unbeabsichtigt um ihre unbekümmerte Kindheit und oft auch um ihre zukünftigen Chancen im Leben.

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